Die Urne zu Hause

In Deutschland gilt bundesweit der Friedhofszwang. Neben den klassischen Friedhöfen zählen hierzu auch die Begräbniswälder und Gebiete der Nord- und Ostsee sowie Mausoleen oder Grabeskirchen. Eine Ausnahme spielt hier das Bundesland Bremen, welches die Vertreuung der Asche im heimischen Garten erlaubt. Ein Verbleib der Urne in den eigenen vier Wänden ist dagegen nicht vorgesehen.

Oftmals wird hier der Weg über die Niederlande oder Belgien als gangbar beschrieben. In diesen Ländern werden die Urnen auf Wunsch den Angehörigen ausgehändigt. Hierbei ergibt sich jedoch das Problem, dass die Urne, sobald sie wieder in Deutschland ist, auch wieder den hiesigen Gesetzen unterliegt. Sobald die Ordnungsbehörden erfahren, dass hier eine Urne aufbewahrt wird, wird diese zwangsweise beigesetzt. Außerdem drohen zum Teil hohe Bußgelder.

Dennoch gibt es, teils aus emotionalen Gründen, manchmal den Wunsch, die Urne zu Hause zu haben, um in Ruhe Abschied nehmen zu können oder sich darüber klar zu werden, wie eine entsprechende Beisetzung erfolgen soll. Dafür stehen den Angehörigen in NRW nur 6 Wochen zur Verfügung. Dies ist manchmal einfach zu kurz. Während dieser Zeit befindet sich die Urne auch entweder beim Bestatter oder der Kommune. Ein inniger und innerer Kontakt ist so nicht möglich.

Der einzig derzeit noch legale Weg für eine Abschiednahme in den eigenen vier Wänden führt über die Schweiz. Hierzu wird in der Schweiz ein Grabplatz erworben. Für diesen erhalten die Angehörigen alle notwendigen Dokumente. Damit unterliegt die Urne den schweizer Gesetzen. Diese lassen die Abschiednahme an der Urne zu Hause zu. Eine Zeitbegrenzung gibt es hierbei nicht. Wo die Urne später einmal beigesetzt werden soll, ist für die Schweiz unerheblich. Da ein Grabplatz nachgewiesen werden kann, kann die Urne von den deutschen Behörden auch nicht zwangsweise beigesetzt werden. Da gegen den Friedhofszwang nicht verstoßen wurde, drohen auch keine Bußgelder.

Dies entbindet jedoch nicht von der Verpflichtung, die Urne letztendlich beizusetzen. Ein dauerhafter Verbleib zu Hause ist nicht statthaft.

Aus psychologischer Sicht ist es auch nicht ratsam, eine Urne dauerhaft zu Hause zu haben. Der fortwährende Kontakt und das immer wieder in Erinnerung rufen des Verlustes hemmen die Trauerbewältigung. Dies kann tiefgreifende emotionale Störungen, welche oftmals behandlungsbedürftig sind, zur Folge haben.

Zur Zeit gibt es noch keine rechtliche Entscheidung zum Umweg über die Schweiz. Dies kann sich jedoch jederzeit ändern.